Christian Pertiller

Jakob Himmelbauer

Leistung in der Fördertechnik: 
Wie schnell drehen Drehtische, heben Hubstationen – und warum diese Frage allein nicht reicht

 

Wie schnell dreht ein Drehtisch? Wie schnell hebt oder senkt eine Hubstation?
Und reicht diese Antwort wirklich aus, um die Leistung einer Förderanlage realistisch zu bewerten?

Diese Fragen stellen Kunden sehr früh – und das aus gutem Grund. In fast jedem Projekt gibt es eine klare Zielvorgabe: 
eine bestimmte Anzahl an Paletten pro Stunde, ein definierter Durchsatz, ein geplanter Materialfluss. Komponenten wie Drehtische, Hub-/Senkstationen oder Eckumsetzer wirken dabei sofort wie potenzielle Engpässe.

Genau hier entsteht jedoch eines der häufigsten Missverständnisse in der Fördertechnik: 
Die Geschwindigkeit einzelner Komponenten wird mit der real erreichbaren Anlagenleistung gleichgesetzt.

Aus der Auslegung und Inbetriebnahme zahlreicher Palettenförderanlagen wissen wir, 
dass Leistungsangaben oft zu optimistisch interpretiert werden.

In diesem Artikel erklären wir, wovon die Leistung von Drehtischen, Hub-/Senkstationen & Co. wirklich abhängt, warum isolierte Leistungsangaben oft in die Irre führen und worauf Sie achten müssen, um Engpässe frühzeitig zu erkennen und realistisch zu planen.

Die wichtigsten Punkte vorab

  • Leistung ist keine Eigenschaft einzelner Komponenten, sondern entsteht immer im Zusammenspiel des gesamten Systems.
  • Geschwindigkeitsangaben von Drehtischen oder Hubstationen allein sind nicht aussagekräftig, weil Rückbewegungen, Spielzeiten und Übergaben oft unberücksichtigt bleiben.
  • Die sogenannte Spielzeit umfasst den kompletten Zyklus einer Bewegung – inklusive Rückfahrt – und ist entscheidend 
    für die real erreichbare Leistung.
  • Gewicht, Palettentyp, Sicherheitsanforderungen und Steuerung begrenzen die Leistung häufig stärker als der Antrieb selbst.
  • Garantiert wird immer die Systemleistung, nicht die theoretische Leistung einzelner Komponenten.

Dieser Artikel hilft Ihnen, Leistungsangaben richtig einzuordnen, typische Bottlenecks zu erkennen und 
realistische Erwartungen für Ihre Förderanlage zu entwickeln.

Warum fragen Kunden zuerst: 
„Wie schnell dreht / hebt / senkt das?“

Die Frage nach der Geschwindigkeit ist logisch – aber sie greift zu kurz.

Denn die Leistungsfrage entsteht fast immer aus einer konkreten Zielvorgabe in Projekten heraus. 
Meist existiert bereits ein grobes Layout oder zumindest eine klare Vorstellung davon, wie viele Paletten pro Stunde transportiert werden sollen.

Drehtische, Hubstationen oder Eckumsetzer stehen dabei oft im Fokus, weil sie Bewegungen bündeln, Richtungen ändern oder Ebenen wechseln – also genau dort liegen, wo Stillstände besonders kritisch wären.

Diese Komponenten werden deshalb intuitiv als mögliche Bottlenecks wahrgenommen. 
Die Frage nach ihrer Geschwindigkeit ist logisch – aber sie greift zu kurz.

Denn in der Praxis entscheidet nicht, wie schnell eine Komponente theoretisch arbeiten kann, sondern wie sie in das Gesamtsystem eingebunden ist.

 

 

Warum Leistungsangaben einzelner Komponenten oft in die Irre führen

Eine isolierte Betrachtung einzelner Komponenten bildet die reale Anlagenleistung nicht ab.

Ein klassisches Beispiel ist der Drehtisch:

  • Dreht er um 90° oder um 270°?
  • Befindet sich ein Förderer auf dem Drehtisch?
  • Ist die Palette bei der Übergabe bereits vollständig positioniert – oder muss sie erst zugeführt werden?

Ein Punkt wird besonders häufig übersehen: 
Nach dem Drehen muss der Drehtisch wieder in seine Ausgangsposition zurückkehren, damit die nächste Palette auffahren kann.

Diese Rückbewegung kostet Zeit – und geht in jede realistische Leistungsbetrachtung ein. Wer nur die eigentliche Drehbewegung betrachtet, erhält zwangsläufig zu optimistische Zahlen.

 

 

Was bedeutet „Spielzeit“ – 
und warum sie für die Leistung entscheidend ist

Die Spielzeit beschreibt den vollständigen Bewegungszyklus – nicht nur die Nutzbewegung.

Unter Spielzeit versteht man den kompletten Ablauf:

  • Anfahren der Palette
  • Bewegung (Drehen, Heben, Verschieben)
  • Abgabe
  • Rückfahrt in die Startposition

In der Theorie könnte man mit der kürzesten Strecke rechnen, beispielsweise bei einem  Querverschiebewagen 
mit verschiedenen Auf- und Abgabestellen, und so sehr hohe Leistungen ermitteln. In der Praxis ist das selten realistisch.

Realistische Spielzeitberechnungen orientieren sich nicht am Best Case, sondern am wahrscheinlichen Betrieb.

 

Welche Faktoren bestimmen die reale Leistung von Drehtischen

Die Drehgeschwindigkeit wird nicht nur vom Antrieb begrenzt, sondern vom Transportgut und dem Umfeld.

Relevante Einflussfaktoren sind:

  • Palettengewicht
  • Palettentyp (z. B. Euro- oder Industriepalette)
  • Abmessungen des Förderguts
  • Förderer auf dem Drehtisch (Länge, Geschwindigkeit)
  • Sicherheitsanforderungen
  • Transport von Flüssigkeiten (Schwappen)
  • Material der Palette (Holz, Kunststoff, Aluminium)

Ein im Interview genannter Richtwert zur Einordnung:

≈ 170 Paletten pro Stunde bei 90°-Drehung unter klar definierten Annahmen.

Wichtig: Dieser Wert ist eine Orientierung, keine Garantie. 
Jede Abweichung bei Gewicht, Palette oder Umfeld verändert die erreichbare Leistung.

 

 

Wie (Heber-) Leistung bei Hub- und Senkstationen real entsteht

Die Hubgeschwindigkeit ergibt sich aus der geforderten Leistung – nicht umgekehrt.

Bei Hub-/Senkstationen beginnt die Planung meist mit der Frage, wie viele Paletten pro Stunde 
auf eine andere Ebene transportiert werden sollen. 
Daraus ergeben sich Hubgeschwindigkeit, Beschleunigung und mechanische Auslegung.

Einflussfaktoren sind unter anderem:

  • Hubhöhe
  • Gewicht der Palette
  • Sicherheitsanforderungen
  • zusätzliche Elemente wie Schnelllauftore

Jedes Sicherheitstor verlängert die Spielzeit, da es in jedem Zyklus öffnen und schließen muss. 
Durch geschickte Anordnung von Förderplätzen lassen sich unnötige Wartezeiten reduzieren.

Physikalische und wirtschaftliche Grenzen (z. B. Motorleistung, Netzanschluss) setzen der maximalen Geschwindigkeit klare Grenzen.

 

 

Warum schnelle Komponenten keine schnelle Anlage ergeben

Die Gesamtleistung entsteht im Zusammenspiel – nicht in der Einzelkomponente.

Auch wenn Drehtisch oder Heber technisch schnell genug wären, begrenzen häufig andere Faktoren:

  • Schaltzeiten der Steuerung
  • Sensorik und Signalverarbeitung
  • Sicherheitsfreigaben
  • Übergabepunkte zwischen Förderern

Schon kleine Verzögerungen wirken sich über jeden Zyklus hinweg aus und reduzieren die Gesamtleistung deutlich.

 

 

Typische Bottlenecks, die Leistung in der Praxis begrenzen

Engpässe entstehen häufig außerhalb der eigentlichen Leistungs­komponenten.

Typische Beispiele aus der Praxis:

  • ungünstige Übergaben
  • fehlende oder zu kleine Stauzonen
  • schlechte Palettenqualität
  • ungünstige Ausrichtung der Palette
  • zusätzliche Verschiebeeinheiten zur Spaltüberbrückung

Ein klarer Praxisbefund: Keine Fördertechnik kommt dauerhaft mit schlechten Paletten gut zurecht.

Palettenkontrollen prüfen nur, ob das Fördergut korrekt aufliegt – nicht die vollständige Qualität.

 

 

Theoretische, technische und real garantierte 
Leistung – wo liegt der Unterschied?

Garantiert wird immer die Systemleistung – nicht die Einzelkomponentenleistung.

Man unterscheidet:

  • Einzelkomponentenleistung: isolierter Zyklus einer Komponente
  • Systemleistung: Leistung im Zusammenspiel aller Komponenten inkl. Steuerung und Sicherheit

Abnahmerelevant ist ausschließlich die Systemleistung. Unrealistische Leistungsversprechen führen spätestens bei der Abnahme zu Problemen.

 

 

Welche Fragen Sie stellen sollten, 
wenn Sie Leistung bewerten

Leistung lässt sich nur bewerten, wenn Ziel, Kontext und Randbedingungen klar sind.

Hilfreiche Fragen:

  • Wie viele Paletten pro Stunde – Durchschnitt und Spitzen?
  • Welche Gewichte und Abmessungen?
  • Welche Sicherheitsanforderungen?
  • Gibt es Redundanzen oder Parallelstrecken?
  • Welche Rückbewegungen sind erforderlich?

 

 

Was das für Ihre Leistungsplanung bedeutet

Leistung ist keine Eigenschaft einzelner Komponenten – sondern das Ergebnis eines Gesamtsystems.

Wer nur nach Dreh- oder Hubgeschwindigkeit fragt, erhält zwangsläufig unvollständige Antworten. 
Realistische Planung entsteht erst dann, wenn Spielzeiten, Rückbewegungen, Sicherheit, Steuerung und Übergaben 
gemeinsam betrachtet werden.